Die Sachkundeprüfung muss sich ändern.

Ich war gestern wieder bei einer mündlichen Sachkundeprüfung und musste erneut feststellen, wie gering das Prüfungswissen vieler Prüflinge ist. Dabei handelt es sich um Teilnehmer, die die schriftliche Prüfung bereits bestanden haben. Das stimmt nachdenklich.

Ich möchte jedoch nicht nur kritisieren – positiv hervorzuheben ist, dass an diesem Tag alle Prüflinge erschienen sind. Bei anderen Sachkundeprüfungen ist die Teilnahmequote leider oft sehr gering. Woran liegt das? Möglicherweise wissen manche Prüflinge bereits im Vorfeld, dass ihr Fachwissen für die mündliche Prüfung nicht ausreicht, und verzichten deshalb auf die Teilnahme.

Doch wenn die schriftliche Prüfung bestanden wurde, sollte das Wissen grundsätzlich auch für die mündliche Prüfung genügen – oder etwa nicht? Genau hier beginnt das Problem. Der Aufbau der schriftlichen Prüfung mit Hinweisen zur Anzahl möglicher richtiger Antworten sowie das Teilpunktesystem scheinen nicht zuverlässig zu funktionieren, wenn Prüflinge in der mündlichen Prüfung durchfallen oder gar nicht erscheinen.

Daraus ergibt sich für mich die Konsequenz: Wir brauchen eine neue schriftliche Sachkundeprüfung. Das System vor dem Sommer 2025 war im Grunde bewährt. Die hohen Durchfallquoten resultierten meiner Meinung nach weniger aus dem System selbst, sondern vielmehr aus der Art der Fragestellung und der teilweise missverständlichen Antwortmöglichkeiten.

Ein Beispiel dazu:

Vor einigen Jahren betrat ein Prüfling den Raum, der bereits auf den ersten Blick einen sehr professionellen Eindruck machte – Stoffhose, Jackett, Halstuch. Das sieht man nicht bei jeder Prüfung. Wir führten die mündliche Prüfung durch, und im Anschluss fragte ich ihn – neugierig, wie ich bin – nach seinem beruflichen Hintergrund. Er erzählte, dass er Rechtsanwalt gewesen sei, nun aber noch nicht in den Ruhestand gehen wolle und deshalb als Dozent für die Sachkundeprüfung bei einem Bildungsträger tätig sei.

Im Gespräch kamen wir auch auf die schriftliche Prüfung zu sprechen. Selbst er, mit über 40 Jahren Berufserfahrung als Anwalt, berichtete, dass er einige Fragen und Antwortmöglichkeiten mehrfach lesen musste, weil die Sätze so verschachtelt und kompliziert formuliert waren. Wenn schon ein erfahrener Jurist Schwierigkeiten hat – wie sollen dann „ganz normale“ Prüfungsteilnehmer damit zurechtkommen?

Aus meiner Sicht sollte daher die Prüfungsordnung von vor dem Sommer 2025 wieder eingeführt und gleichzeitig die Fragen sowie die Antwortformulierungen sprachlich und inhaltlich überarbeitet werden.

Was ich mich außerdem schon lange frage: Warum müssen Prüflinge Inhalte beherrschen, die primär für Unternehmer relevant sind? Ich behaupte, dass sich 99,9 % der Teilnehmer der Sachkundeprüfung in Deutschland nicht selbstständig machen möchten. Früher war das klarer geregelt: 40 Unterrichtseinheiten für Mitarbeiter und 80 Unterrichtseinheiten für Selbstständige. Viele „alte Hasen“ erinnern sich sicherlich noch daran.

Fakt ist: Die Sachkundeprüfung braucht eine grundlegende Überarbeitung.

Ich freue mich auf eure Kommentare.

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